„Das Ohr an die Gemeinde legen“

„Das Ohr an die Gemeinde legen“
– eine vielleicht schon mal gehörte Aussage, die neugierig machen kann –

Im Zeitraum vom 26. April 2016 bis zum 5. September 2017 fand für zehn ganz unterschiedliche Gruppen unserer St. Johannes-Gemeinde ein thematischer Abend zum Austausch über das Erfahren von Kirchengemeinde und unsere Träume für die Zukunft statt. Wunsch war es, mit verschiedensten Aktiven und Mitgestaltenden über Gemeinde heute und in Zukunft ins Gespräch zu kommen.

Die Vorgeschichte: Die Initiative kam aus dem Pfarrgemeinderat und geht auf eine Klausurtagung bereits im Juni 2015 zurück. Bei der Auseinandersetzung mit unseren eigenen Kirchenbildern und Vorstellungen zum Thema „Gemeinde heute und morgen“ wurde uns bewusst, dass der Pfarrgemeinderat als ein Gremium zur Mitgestaltung unseres Gemeindelebens vor Ort nicht nur die eigenen Ideen, sondern auch die Wahrnehmung möglichst vieler Menschen in unser Gemeinde im Blick haben sollte. Eine „gemeinsame Vision von Kirche“ kann helfen, in der gleichen Richtung auf dem Weg zu sein.
Um diesem großen Ziel ein wenig näher zu kommen, wurden verschiedene Projekte angegangen, um Raum für Begegnung und Austausch zu schaffen. Der Picknickgottesdienst im August 2016 war ein Beispiel dafür.

20180304 Kirche im DorfEine Projektgruppe wollte darüber hinaus ganz gezielt mit den Menschen vor Ort ins Gespräch kommen. Daher wurde ein Themenabend geplant, bei dem ganz konkret über die eigenen Vorstellungen von Gemeinde diskutiert wurde. Hilfreich waren dabei vorgegebene Kirchenbilder wie die „Kirche im Dorf“, die „Gemeinde als Gemeinschaft von Gemeinschaften“ oder die „Gemeinde als Gottesdienstgemeinde“, mit denen man sich identifizieren, von denen man sich aber auch abgrenzen konnte. Neben einer Einschätzung des Ist-Zustandes sollte dabei auch der Blick in die Zukunft und auf erste mögliche Schritte dahin gerichtet werden.


Die Umsetzung: In insgesamt zehn sehr unterschiedlichen Gruppen – von den Jugendverbänden über Gruppen aus der Frauengemeinschaft und dem Kolping, dem Büchereiteam bis hin zu einer durchmischten Gruppe Aktiver ohne feste Einbindung (um nur einige zu nennen) – ist dieser Abend in die Tat umgesetzt worden. Wir vom Pfarrgemeinderat, die ganz bewusst als „Hörende“ in diese Treffen gegangen sind, waren erfreut und teils überwältigt von der großen Teilnahmebereitschaft (einen ganz herzlichen Gruß an unsere drei Jugendverbände mit ihren enorm großen Leiterrunden!), der Ernsthaftigkeit und der Kreativität bei der Auseinandersetzung mit ihren Kirchenbildern.

20180304 Gemeinde als Gemeinschaft von Gemeinschaften

Die Ergebnisse: Das ist schwierig in wenige Worte zu fassen. Wir haben eine Vielzahl von Eindrücken mitnehmen dürfen. Es gab viele Anregungen, die sich ganz konkret auf die Aktivität spezieller Gruppen und Verbände beziehen, mit guten Ideen, wo und wie etwas besser gestaltet werden könnte. Einiges davon konnten wir bereits konstruktiv angehen (z.B. die bessere Einbeziehung der Pfadfinder im ökumenischen Gottesdienst an Ostersonntag) oder wollen es zumindest weiterverfolgen (W-LAN). Für konkrete Anregungen soll der Pfarrgemeinderat auch darüber hinaus ein guter Ansprechpartner sein und bleiben. Unsere Sitzungen sind übrigens öffentlich und Gäste gern gesehen.

Ebenso lassen sich aber grundsätzlichere Punkte erkennen, die auch übergreifend in ansonsten sehr verschiedenen Gruppen eine Rolle spielen. Aus der Fülle der Eindrücke wurden in Zusammenarbeit mit zwei Referentinnen des Generalvikariats, Frau Stuckenberg und Frau Gerdes, sechs Schwerpunkte herauskristallisiert: Austausch untereinander, Wertschätzung, Öffentlichkeitsarbeit, offene Angebote, Neuzugezogene und Gottesdienst/Spiritualität.

Austausch untereinander: Es wurde immer wieder festgestellt, wie wichtig es ist, voneinander zu wissen, von wichtigen Terminen und Anliegen. Das Wissen umeinander ist von hohem Stellenwert, sich gegenseitig ein Ohr zu geben, aber eben auch zu wissen, dass jemand zuhört! Wie das personell in Zeiten immer größerer Anforderungen an die hauptamtlich Tätigen und an die auch meist in vielen Kontexten gleichzeitig aktiven Ehrenamtlichen zu leisten ist, lässt sich nicht so einfach beantworten.
Das Verbändetreffen kann so eine Gelegenheit bieten, wird aber doch immer wieder auch von vielen organisatorischen Zwängen bestimmt.
So hat sich der Wunsch nach einem eigenen Austauschtreffen verdeutlicht. Das ist zwar ein weiterer Termin, kann aber viel Positives für den Austausch ermöglichen. Wichtig hierfür ist ein Zusammenkommen möglichst vieler Vertreter aus der Gemeinde, um gut von einander zu wissen. Wichtig ist dabei auch ein Informationsfluss in beide Richtungen: Man kann eine Anfrage oder Idee in die Runde geben, bekommt aber auch Informationen über den aktuellen Stand solcher Anfragen zurück. Ein erstes Treffen, noch unter dem Namen Verbändetreffen, hat bereits stattgefunden. Weitere, evtl. unter einem offeneren Namen, sollen folgen.
Aber auch andere Gelegenheiten können für die Begegnung genutzt werden, wie etwa das Kirchencafé am ersten Sonntag im Monat nach dem Gottesdienst. Hierfür konnten auch bereits unterschiedliche Helfer für die konkrete Durchführung gewonnen werden. Eine herzliche Einladung an dieser Stelle, dort einfach mal vorbeizuschauen.

Wertschätzung: Auch wenn man für seine ehrenamtliche Tätigkeit kein Lob einfordern möchte, weiß doch jeder, wie gut es tut, wenn sie gesehen und (wert )geschätzt wird. Auch in diesem Sinne muss man voneinander wissen. Dazu gehört es auch, einen Ansprechpartner zu haben. Dabei geht es um das Wissen um Zuständigkeiten, die das eigene Handeln vereinfachen, und um das „in Beziehung Gehen“ mit der über die Gruppe hinausgehende Ebene Gemeinde, in der sich die Gruppe beheimatet wissen darf. Zum Teil konnte diese Frage auch schon genauer geklärt werden.
20180304 Gemeinde als GemeinschaftEine weitere Facette ist das Bewusstsein, dass das Ehrenamt keine einzufordernde Selbstverständlichkeit sein kann. Viele packen bei zahlreichen Gelegenheiten gerne mit an, was aber nicht in einer „Zuteilung von Arbeit“ enden sollte.
Im Auswertungstreffen wurde die Idee entwickelt, z. B. Gruppen und Verbänden die Möglichkeit anzubieten, der Gemeinde über ihre Arbeit zu berichten, etwa im Rahmen des Pfarrbriefes. Ziel ist es, dass vielseitige Aktivitäten in unserer Gemeinde besser erfahrbar gemacht werden. Auch das alle zwei Jahre stattfindende Fest der Ehrenamtlichen am 15. Juni kann hier einen schönen Beitrag leisten.

Öffentlichkeitsarbeit: Das Wissen voneinander geht auch mit einer sinnvollen Öffentlichkeitsarbeit einher. Der Pfarrbrief ist ein sinnvolles Medium, erreicht aber – auch wenn direkt an alle zugestellt wie z. B. dieser Osterpfarrbrief – längst nicht alle. Die Homepage der Gemeinde ist eine weitere Möglichkeit. Zudem wäre wohl ein Nachdenken über die Nutzung sozialer Medien wie Facebook oder WhatsApp bedenkenswert, wobei die Verlässlichkeit und Sinnhaftigkeit des Angebotes gewährleistet werden muss. Zum oft benannten Wunsch nach einem gemeinsamen Terminkalender für Aktionen in der Gemeinde gibt es seit dem letzten Verbändetreffen eine Neuerung: Ein Team aus Jugendvertreter und Öffentlichkeitsauschuss wird zeitnah eine kalendarische Darstellung auf der Homepage einführen. Herzlichen Dank!

Offene Angebote: Der Grundgedanke, dass Gemeindemitglieder, die nicht in einer Gruppe oder einem Verband organisiert sind, Interesse an Veranstaltungen haben, ist nachvollziehbar. Auch wenn viele Aktionen der Verbände als offenes Angebot an die ganze Gemeinde verstanden werden, bestehen oft – wenn auch unnötige – Hemmnisse, daran teilzunehmen. Einen ersten kleinen Beitrag kann eine Aktion z. B. das Kirchcafé leisten. Man kann einfach mal kurz hereinschauen, einen Kaffee, Tee oder Saft trinken und miteinander ins Gespräch kommen.

Kümmern um Neuzugezogene: Es gibt Erfahrungen, dass es gerade Neuzugezogenen schwer fällt, sich in bestehende Strukturen einzufinden. Das Willkommensschreiben an Neuzugezogene in Rulle wurde überarbeitet und es ist beabsichtigt, das Schreiben nun persönlich zuzustellen und so den Kontakt direkt anzubieten und zu erleichtern. Weitere Überlegungen beinhalten, einen Infoabend für Neuzugezogene anzubieten und evtl. Familienkreise zu gründen bzw. bestehende zu vernetzen. Gerade für Familien mit kleinen Kindern ein sinnvolles Angebot.

20180304 Gemeinde als Gottesdienstgemeinde

Gottesdienst/Spiritualität: Dieser Bereich wurde in vielen Gruppen ganz konkret benannt, mal mit innerer Verbundenheit, mal aus der Distanz betrachtet. Der Gottesdienst steht in besonderer Nähe zur Verkündung des Evangeliums als möglicher Mitte und sinnstiftender Quelle unseres gemeinsamen Tuns in Gemeinde. In unserer Gemeinde finden sich viele Angebote, gemeinsam Gottesdienst zu feiern oder sich dem Wort Gottes katechetisch zu nähern. Als Beispiel sei etwa die Schülerkatechese genannt. Als ein weiteres Angebot gibt es seit etwa einem Jahr die TatWort-Gottesdienste, bei denen andere Formen und Zugänge zu Gottesdienst gesucht und ausprobiert werden.

Ein kleines Fazit: Die Arbeit an diesem Projekt hat uns Durchführenden allen viel Freude gemacht. Wir möchten uns noch einmal ganz besonders bei allen bedanken, die uns als Gruppe empfangen und mit uns an dem nicht immer einfachen Thema gearbeitet haben.
Viele der behandelten Fragen ergeben sich erfreulicherweise aus der Tatsache, dass so viele Menschen ganz unterschiedlichen Alters und Interesses in unserer Gemeinde aktiv sind und mitgestalten: Da ist es nicht immer leicht, den Überblick zu behalten.

Wichtig ist es aber, voneinander zu hören, sich gegenseitig im Blick zu behalten und nicht aus dem Blick zu verlieren, was uns gemeinsam in unserer Kirchengemeinde handeln lässt!

Für das Projektteam: Ansgar Striethorst