Fastenzeit - Hungertuch in unseren Kirchen

 

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Das MISEREOR-Hungertuch 2019/2020 "Mensch, wo bist du?" von Uwe Appold © MISEREOR 

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen,
mit dem Beginn der Fastenzeit hängt in unseren Kirchen das neue Misereor-Hungertuch. Wir möchten Ihnen und Euch dieses Tuch kurz vorstellen. Der evangelische Künstler Uwe Appolt aus dem niedersächsischen Wilhelmshaven hat dieses Tuch entworfen. Es trägt den Titel „Mensch, wo bist du?“ in Anlehnung an Gen 3,9. Es ist eine Collage, d.h. der Künstler hat verschiedene Materialien auf einer großen Leinwand zusammengefügt.

Auf der blau bemalten Leinwand finden wir – von links beginnend – zuerst ein rotes Kreuz. Alles beginnt mit dem Kreuzestod Jesu. Es folgen weiße Schriftzeichen, die nicht entzifferbar sind, die Raum für Deutung lassen, bis auf das letzte: Das Zeichen für Unendlichkeit auf die Seite gestellt: aufgerichtet.
In der Mitte ist eine breite Spur aus Sand aufgebracht. Er stammt aus dem Garten Gethsemane in Jerusalem. Das ist der Garten, in dem gemäß den Evangelien Jesus vor seiner Gefangennahme und Hinrichtung ein letztes Mal verzweifelt gebetet haben soll. Darin eingelassen befinden sich exakt 12 Steine: ebenfalls aus dem Garten Gethsemane und mit roter Farbe umfasst. Auf dem Sand ist ein hölzerner Kreis, der mit Blattgold überzogen wurde, gesetzt. Darin eine hausähnliche Form, die noch unvollständig ist. Sie wurde aus einem Teil des Sandes gefertigt.
Weiter rechts befindet sich

eine viereckige blau-rote Figur. Sie symbolisiert einen Menschen mit zerschlissener Kleidung. Darauf angebracht eine Metallstange: wie die Arme eines Menschen beim Gebet oder wie eine Schale.
Am Ende -ganz rechts- finden wir „i“ und „x“: die griechischen Buchstaben „Jota“ und „Chi“, die für den auferstandenen Jesus Christus stehen. Sie komplettieren das, was auf der linke Seite mit dem Kreuz begann.

Das gesamte Werk bietet viele Zeichen und Symbole, die Raum für Deutung lassen. Dabei ist dem Künstler wichtig, dass jede und jeder von uns einen Platz im Bild findet, von dem sie bzw. er sich angesprochen fühlt und der dabei eine ganz persönliche Deutung erfährt. Herzliche Einladung dazu!

 

Gebet zum Hungertuch (Katharina Barth-Duran, Freiburg)

Das tiefe Blau
deiner Ozeane
erzählt mir
von deiner Sehnsucht nach mir
und lockt mich ins Schweigen
und Lauschen
auf dein Wort
das nach mir fragt
immer wieder
noch nach so langer Zeit
deine suchende Stimme
so klagend
so zärtlich
Wo bist du Mensch?